Weniger Autos = weniger Stau.
Um den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren, braucht es Alternativen. Dazu gehört gute Infrastruktur für Velos und Fussgänger*innen, insbesondere aber für den ÖV.
Damit Menschen ihr Auto stehen lassen oder sogar verkaufen, soll die Alternative praktisch und günstig sein und als attraktiv wahrgenommen werden.
In den letzten Jahrzehnten sind die Preise des ÖV jedoch viermal so schnell gestiegen wie die Kosten des Autofahrens (1) und der teils verwirrende ÖV-Tarifdschungel stellt für viele eine weitere Hürde dar.
Damit der ÖV attraktiver wird, sollen die teuren Billette weg! Das senkt auch die Hemmschwelle für Autofahrer*innen, alternative Verkehrsmittel auszuprobieren.

In der Schweiz werden ca. zwei Drittel der Wege mit dem Auto zurückgelegt (2).
Die durchschnittliche Besetzung von PKWs liegt bei ca. 1.6 Personen – das macht das Auto im Vergleich zu öffentlichen Verkehrsmitteln extrem platzineffizient. Das führt besonders in Städten zu Platzmangel auf den Strassen und daraus resultierend fehlender Sicherheit für schwächere Verkehrsteilnehmende.
Ausserdem gibt es in der Stadt kaum Platz für die vielen Autos.
In Bern gab es Ende 2023 über 100‘000 Parkplätze(3), obwohl weniger als die Hälfte der Haushalte ein Auto besitzen.
Diese Fläche könnte zum Beispiel für ÖV-Spuren, gute und sichere Velowege, breitere Trottoirs oder Begrünung verwendet werden.

Quelle: Jörg Spengler auf Twitter, https://t.co/vgqUrVSEsB
Der Personenverkehr auf der Strasse ist für über ein Viertel der Treibhausgasemissionen und einen grossen Anteil der Feinstaub- und Lärmbelastung verantwortlich. 13.5 % der Menschen in der Schweiz sind grenzwertüberschreitendem Strassenlärm ausgesetzt (4).
Öffentliche Verkehrsmittel sind gegenüber dem Autoverkehr umweltfreundlicher, wie das Bundesamt für Statistik deutlich aufzeigt (5).
Nebst Ressourcenverbrauch werden auch Produktionsprozesse, Lärm und Luftverschmutzung verglichen.

Gratis ÖV fördert soziale Gerechtigkeit. Asylsuchende und andere sozial und finanziell Benachteiligte sollen nicht auf soziale Teilhabe verzichten, in täglicher Angst vor Billettkontrollen leben oder sogar im Gefängnis landen, weil sie sich die teuren Billette nicht leisten können.
Kinder und Jugendliche verdienen kein Geld, aber brauchen auch Zugang zum ÖV, um ihren Ausbildungen und Freizeitaktivitäten nachgehen können. Wenn sie sich bereits als Kinder oder Jugendliche an den ÖV gewöhnen, nutzen sie ihn oft ein Leben lang.
Kostenloser oder vergünstigter ÖV muss auch nicht Staat und Allgemeinheit teuer zu stehen kommen.
Das neu eingeführte und stark vergünstigte Deutschland-Ticket führte beispielsweise zu 20-24% neuen ÖV-Kund*innen und 300 Millionen zusätzlichen Fahrten.
Durch diese Verkehrsverlagerung vom Auto auf den ÖV können die Finanzen von Bund und Kantonen gar entlastet werden: der Strassenverkehr von Personen und Gütern verursacht jedes Jahr über CHF 25 Milliarden an externen Kosten, die durch Umweltschäden, Unfälle oder Gesundheitskosten entstehen(5).
Ausserdem braucht man mit kostenlosem ÖV keine Verkaufsinfrastruktur mehr, was ebenfalls zu erheblichen Kosteneinsparungen führen würde. Diese Infrastruktur macht oft über 10% der Gesamtkosten aus (leider gibt es nur wenige öffentlich zugängliche Daten dazu).
Gratis ÖV ist nicht einfach ein wilder Traum, sondern an vielen Orten bereits gelebte Realität: in über 300 Gemeinden in Europa inklusive grösserer Städte wie Montpellier und Tallinn und sogar auf dem ganzen Staatsgebiet Luxemburgs. Auch im Kanton Genf gibt es seit 2025 gratis ÖV für unter 25-Jährige sowie zum halben Preis für Senior*innen.
Leider ist eine generelle Abschaffung der Billettpflicht in der Schweiz auch auf Gemeinde- oder Kantonsebene nicht möglich, weil die Verfassung vorschreibt, dass ein „angemessener Teil der Kosten“ von den Fahrgästen getragen werden muss.
Aus diesem Grund wurden die Initiative der PdA in der Stadt Bern und verschiedene Westschweizer kantonale Initiativen für ungültig erklärt.
Im September 2025 hat Agissons die eidgenössische Volksinitiative, die diese Bestimmung ändern würde, zur Vorprüfung eingereicht. Wir freuen uns über die Initiative und hoffen, dass diese auch dem kostenlosen ÖV in der Stadt Bern den Weg ebnet.
Natürlich ist uns klar, dass das Abschaffen der Billette nicht alle städtischen Verkehrsprobleme lösen wird.
Es braucht gute Infrastruktur, ein attraktives Angebot und eine entsprechende Finanzierung. Auch Massnahmen wie eine Reduktion der vom Autoverkehr beanspruchten Flächen und Fördermassnahmen des Fuss- und Veloverkehrs müssen priorisiert werden.
Gratis ÖV ist ein wichtiges Puzzleteil der Verkehrswende und soll möglich gemacht werden.
Um kostenlosen ÖV zu ermöglichen, muss erst Art. 81 der Bundesverfassung geändert werden, welcher vorsieht, dass die Nutzer*innen
einen “angemessenen Teil” der Kosten übernehmen.
Sei am 20. Februar dabei,
wenn die Kampagne lanciert wird!
Quellen:
1: https://www.umverkehr.ch/autobahnen#staedte
3: https://www.derbund.ch/verkehrspolitik-parkieren-wird-in-bern-stetig-einfacher-319328182633
5: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/katalog.assetdetail.36075788.html
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