Chancen(un)gleichheit

von Ronja und Lionel

Die Chancenungleichheit in unserer Gesellschaft ist ein komplexes Problem mit zahlreichen Ursachen. Um sie zu bekämpfen, bräuchte es griffige Massnahmen in verschiedenen Bereichen – nicht nur in der Bildungspolitik. Lösungsansätze werden im Kanton Bern aber zu wenig konsequent verfolgt und durch die bürgerliche Politik teilweise aktiv untergraben.


Alle vier Jahre erscheint ein gesamtschweizerischer Bildungsbericht, der die Chancenungleichheit beleuchtet. Die Daten zeigen, dass der sozioökonomische Status der Eltern oft entscheidend ist für die Bildungsaussichten von Kindern. Deshalb ist Armutsbekämpfung ein wichtiger Hebel, mehr Chancengleichheit zu erreichen.

Einen solchen Hebel haben wir im Stadtrat genutzt und einen kostenlosen öffentlichen Verkehr für Kinder und Jugendliche in der Stadt Bern gefordert. Seraina Patzen (Grossrätin JA!) hat dies ebenfalls im Grossrat getan, leider ohne Erfolg: Der Vorstoss wurde abgelehnt. Viele Parlamentarier*innen konnten sich wahrscheinlich auch nicht vorstellen, was für ein wichtiges Puzzleteil kostenloser ÖV für benachteiligte Familien sein kann. Denn je stärker das Familienbudget entlastet wird, desto mehr finanzielle Mittel können anderswo den Kindern zugutekommen, was ein Schritt in Richtung Chancengleichheit ist.

Zwar ist die obligatorische Schulzeit während elf Jahren kostenlos. Doch danach verschärft sich die Chancenungleichheit in der Bildung deutlich. Obwohl die Mittelschulen immer noch formal nichts kosten, ist der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund und/oder mit einem niedrigen sozioökonomischen Status erschreckend klein. Das zeigt: Es reicht nicht, allein die Schulen kostenlos zu machen. Privilegierte und sozioökonomische gut aufgestellte Eltern werden ihre Kinder immer mehr fördern können. Deshalb entsteht diese Ungleichheit schon sehr früh.

Die Chancenungleichheit könnte durch zahlreiche Massnahmen verringert werden. Ein Schulsystem, das seit 100 Jahren in seinen Grundstrukturen kaum verändert hat, wird den heutigen gesellschaftlichen Realitäten nicht gerecht. Wir müssen den Mut haben, das System grundlegend neu zu denken und althergebrachte Gegebenheiten zu ändern. Nur so lässt sich ein System, das Ungleichheiten verstärkt, umpolen.

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