Postulat Fraktion Grünes Bündnis/Junge Alternative JA! (Anne Wegmüller JA!, Myriam Duc, GB): Geschlechtergerechte Pausenplatzgestaltung in der Stadt Bern

Die Gestaltung eines Pausenplatzes übt einen grossen Einfluss auf die Pausenaktivitäten der Kinder aus. Je nachdem, ob die vorhandene Fläche unstrukturiert oder vielfältig strukturiert ist, können die Kinder ihren verschiedenen Interessen und Bedürfnissen unterschiedlich gut nachgehen.

Eine Unterteilung des Raums kann durch gestalterische Elemente wie beispielsweise grosse Steine, Mäuerchen, Büsche, Bänke, Treppen oder Spielgeräte erreicht werden. Attraktiv sind auch unterschiedliche Bodenbeläge wie etwa Kies, Naturboden, Holzschnipsel, Teer, Hartgummi usw.

Wie die Untersuchung der Koordinationsstelle Mensch-Gesellschaft-Umwelt und des Frauenrats Basel (Broschüre Geschlechtergerechte Pausenplatz-Gestaltung, 2003, Basel) aufzeigt, setzen sich auf unstrukturierten Pausenplätzen, die nur aus einer einzigen offenen Fläche bestehen, die Gruppen der ältesten und stärksten SchülerInnen mit ihren Spielbedürfnissen durch. Der Rest der Kinder muss sich dann mit den Randzonen begnügen. Ein Pausenhof sollte deshalb in ausgewogenem Verhältnis offene und stark strukturierte Flächen aufweisen.

Dazu kommt, dass sich das Spielverhalten von Mädchen und Knaben oft unterscheidet. Mädchen spielen öfter in kleinen Gruppen, kleinräumig und in vielfältiger Weise. Knaben sind häufiger in grossen Verbänden mit raumgreifendem Spiel oder Spasskämpfen beschäftigt. Diesen unterschiedlichen Bedürfnissen ist in der Gestaltung von Pausenhöfen Rechnung zu tragen.

Es ist dabei selbstverständlich, dass die Umgestaltung der Pausenplätze in Mitsprache und Mitarbeit der SchülerInnen gemacht wird (Artikel 57 des Schulreglements). Diese Mitsprachemöglichkeit erhöht die Akzeptanz der neu gestalteten Pausenplätze. Bei diesem Prozess muss gezielt darauf geachtet werden, dass die Bedürfnisse der Mädchen und Knaben ausgeglichen realisiert werden.

Nebst grossen Freiflächen braucht es auf jedem Pausenplatz strukturierte kleine Flächen. Die Gestaltung dieser Flächen sollte dabei die verschiedensten Spielmöglichkeiten offen lassen und abwechslungsreich sein.

Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedürfnisse bei der Gestaltung der Pausenplätze ist eine Voraussetzung auch im Hinblick auf Massnahmen, die frühes geschlechterstereotypes Verhalten von Kindern durchbrechen wollen. So sollte bewusst beiden Geschlechter die typischen Spiele des jeweils anderen Geschlechts näher gebracht werden. Mädchen sollen auf diese Weise animiert werden, sich durch Ball– oder andere raumgreifende Spiele Raum schrittweise anzueignen. Knaben sollen mit kleinräumigen Spielen lernen sich auf kleinen Flächen zu beschäftigen und somit Raum zu überlassen.

Der Gemeinderat wird deshalb gebeten, folgende Anliegen zu prüfen:

1. Bei bevorstehenden Umgestaltungen von Pausenplätzen auf die geschlechtergerechte Gestaltung und auf die Mitsprache der SchülerInnen zu achten. Das heisst, es sind sowohl kleinräumige, strukturierte Flächen als auch grosse freie Flächen zu realisieren.

2. Massnahmen zu ergreifen, die den Mädchen den Zutritt auf grosse Freiflächen (z.B. auf den Fussballplatz) und den Knaben auf kleinenräumigen Flächen (z.B. zu den Sitzbänken) des Pausenplatzes gewährleisten.

Bern, 3. Mai 2007