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25. Oktober 2007:
Sicherheits- und Kontrollaufgaben dürfen nicht privatisiert werden
Der Gemeinderat hat im Juli den Entwurf
des neuen Bahnhofreglements veröffentlicht. Im November wird dieses
Reglement in der „Kommission Soziales, Bildung und Kultur“ und anschliessend
im Stadtrat behandelt. Die Junge Alternative JA! wird, wenn das Reglement im
Stadtrat nicht grundlegend verändert wird, das Referendum dagegen ergreifen.
Bettelverbot
Die Junge Alternative JA! ist der Meinung, dass Betteln erlaubt sein muss.
Menschen, die betteln, steht offensichtlich keine andere Möglichkeit offen,
denn Betteln ist kein Freizeitvergnügen. Ihnen dieses Recht, sich so ihr
Überleben zu sichern, abzusprechen, ohne neue Angebote zu schaffen, löst
keine Probleme.
Ungebührliches Verhalten
Das neue Bahnhofreglement will „ungebührliches Verhalten gegenüber anderen
NutzerInnen des Bahnhofs“ verbieten. Zuwiderhandlungen gegen solche Verbote
können mit bis zu 5000 SFr. gebüsst werden. Die JA! wehrt sich dagegen, dass
„richtiges“ und „falsches“ Verhalten als Grund für Bussen gelten soll. Der
Begriff ist derart weitläufig und willkürlich, dass mit diesem Passus fast
alles möglich ist.
Privatisierung der Kontrollaufgaben
Im Bahnhofreglement steht, dass der Gemeinderat die Kontrollaufgaben über
dieses Reglement einer privaten Sicherheitsfirma übertragen kann – und, dass
der Gemeinderat dieser Firma auch Kompetenzen über Bewilligungen und
Konzessionen abtreten kann. Werden diese Sicherheitsaufgaben privatisiert,
verliert die Öffentlichkeit die demokratische Kontrolle über diese
OrdnungshüterInnen und deren Aufgaben; Das staatliche Gewaltmonopol steht
auf dem Spiel. Gemäss einem Gutachten von Dr. Kälin, welches von der
Polizeigewerkschaft in Auftrag gegeben wurde, ist bei solchen Auslagerungen
grundsätzlich grosse Vorsicht geboten, besonders aber, wenn es sich um
Aufgaben mit „grossem Ermessensspielraum“ handelt. Geht es darum, ob sich
jemand anständig verhält, ob jemand bettelt oder wie viele
Unterschriftensammel-stände der Bahnhof noch erträgt, ist der
Ermessensspielraum riesig: Es handelt sich um delikate grundrechtsrelevante
Fragen. In diesem Zusammenhang darf es nicht sein, dass Sicherheitsaufgaben
privatisiert werden, es gibt ausserdem genügend Vorfälle, die zeigen, dass
private Sicherheitsdienste solchen Entscheidungs- und Handlungssituationen
nicht gewachsen sind.
Die Junge Alternative JA! wird das Reglement im Stadtrat bekämpfen. Die JA!
hat an ihrer Sitzung von letztem Montag beschlossen, sofern das Reglement
nicht noch grundlegende Veränderungen erfährt, das Referendum dagegen zu
ergreifen.
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