8. Mai 2007: Bahnhofplatz nur noch für Angepasste und Besitzende?

Die Junge Alternative JA! ist bestürzt über das geplante Nutzungskonzept für den neuen Bahnhofplatz. Stadtpräsident Alexander Tschäppät sagte laut Berner Zeitung BZ gestern vor den Medien, dass dieser Bahnhofplatz „für alle da sein soll“. Was dies bedeutet, klärt sich beim Lesen des Artikels schnell: Auf dem Bahnhofplatz sollen sich künftig keine Menschen mehr aufhalten dürfen, die nicht ins trendy und cleane Stadtbild passen, es gibt also keinen Platz mehr für drogensüchtige oder alkoholkranke Menschen bzw. Menschen die auf der Strasse leben oder Leute, die ihre politischen Rechte ausüben.

Weiter spricht Tschäppät von „stressfreiem flanieren“ im Zusammenhang mit dem Vertreiben der Gassenküchen und des Alkistüblis vom Bahnhofplatz. Bedeutet also „stressfrei“ für Tschäppät das Leben in einem Schickimicki-Elfenbeinturm, ohne mit den teils unschönen Realitäten der Stadt konfrontiert zu werden?

Die Junge Alternative JA! ist empört über die Politik des Gemeinderats. Anstatt Probleme zu lösen, wie sich mit dem zugespitzten Drogensituation im Bollwerkgebiet, welches den Betrieb der Reitschule stark belastet auseinanderzusetzen, Orte zu schaffen, an denen sich alle, auch alkoholkranke Menschen oder Leute die auf der Gasse leben aufhalten können (nach der Schliessung der Traube) werden die Probleme aus dem Blickfeld der BernerInnen und TouristInnen zu vertreiben versucht. Dies ist eine zutiefst unsoziale und neoliberale Politik, mit der auf dem Buckel der schwächsten Glieder der Gesellschaft, blitzsaubere Glashäuser für die Angepassten und Besitzenden gebaut werden. Absurd ist, dass ein rot-grüner Gemeinderat das politische Erbe Wasserfallens nicht nur verteidigt sondern sogar ausbaut.

Auch für politische Rechte rund um den Bahnhofplatz wird’s eng. Tschäppät findet zwar gegenüber der BZ, „meiner Meinung nach sollte es in der Christoffel-Unterführung künftig weiterhin erlaubt sein, Unterschriften zu sammeln oder Flugblätter zu verteilen.“ Heisst das, dass oberirdisch auf dem Bahnhofplatz politische Rechte beschnitten werden? Die Junge Alternative JA! fordert, dass Grundrechte, wie die Ausübung politischer Rechte auf dem gesamten öffentlichen Raum möglich bleiben.