Velo love

Das Auto links ignoriert den Vortritt, das E-Bike überholt rechts und auf der Brücke ist der Velostreifen inexistent, dafür wird die grüne Welle durch regelmässige rote Wellenbrecher gestört. Fehlt nur noch die Strandpromenade – aber nach den Töggelikästen und Palmen kommen sicher auch bald die Liegestühle. Wer regelmässig Velo fährt weiss, dass Bern zwar gerne eine Velohauptstadt wäre, aber leider noch lange keine ist.

Höchste Zeit also, dass die Stadt ihre Velooffensive richtig anpackt. Dazu ist momentan der Masterplan Veloinfrastruktur in der Vernehmlassung. Auch wir haben uns vertieft mit dem Dokument auseinandergesetzt und wissen deshalb: Bis zur Velostadt ist der Weg noch weit. Die bestehenden notorisch velofeindlichen Standorte in der Stadt sind ja längst bekannt – was die Stadt dagegen plant? Kampagnen für faires Verhalten im Verkehr. Nicht nur, aber mit Kampagnen lassen sich offenbar viele sonst so unlösbar scheinende Probleme lösen. Wir freuen uns darauf. Wirklich. Also nicht auf die Kampagne natürlich. Aber auf die Lösung der Tramschienen-Linksabbiege-zu-wenig-Platz-im-Stossverkehr-Probleme. Grundsatz Nr. 1 des Masterplan ist übrigens «Kundenorientiertes Denken»: Als «Angebot» für «Kunden» wird die Veloinfrastruktur positioniert. Vielleicht müssen die «Kunden» in den Zufriedenheitsbefragungen halt dann melden, dass die Probleme am Hirschengraben und Bollwerk noch immer bestehen – trotz schöner Kampagne. Kundinnen existieren im Masterplan sowieso nicht und werden deshalb wohl auch nicht befragt. Schade eigentlich. Und nicht so zeitgemäss, feiern wird doch dieses Jahr schon bzw. erst 50 Jahre Frauenstimmrecht in der Stadt Bern. Item. Ansonsten passt uns der Masterplan gut – die Velos sind ja bei der JA! eine Herzensangelegenheit.

Deshalb haben wir uns diesen Sommer auch erfreut über die grossartige Unterhaltung, die uns PubliBike (oder auch Püblibäik, wobei mir Pöblibäik eigentlich besser gefiel) bot. Ich finde Velodiebstähle natürlich auch nicht zum Lachen. Aber ich verstehe auch den Reiz zu schauen, ob sich diese Veloschlösser wirklich so einfach knacken lassen. Es musste ja wirklich ein Kinderspiel sein. Diese Gelegenheit ist nun vorbei. Gespannt erwarte ich nun die neu ausgestatteten Velos. Nebst ein paar Kritikpunkten, ist das Veloverleihsystem ja doch eine sinnvolle Sache. Unsere Kritikpunkte haben wir kurz vor den Sommerferien in einem Vorstoss auf den Punkt gebracht. Wir verlangen darin, dass der Gebrauch der Velos insbesondere für junge Menschen günstiger wird, das Zahlungssystem ausgeweitet wird auf andere Zahlungsmittel und auch Minderjährige die Velos ausleihen können.

Zu guter Letzt: Stimmt doch JA! Zum Bundesbeschluss Velo. Dann werden die Velowege gegenüber den Fuss- und Wanderwegen in der Verfassung nicht mehr diskriminiert. Auch wenn in der Stadt Bern die Velos häufig schon an erster Stelle stehen – zumindest rhetorisch – national ist die Veloförderung noch nicht so weit.

Von Eva K.